Che Guevara, zurückgelehnt mit Zigarre im Mund; der Pferdestall des Architekten Luis Barragán: Viele Bilder des Leica Fotografen René Burri gehören zu unserem kollektiven Bildgedächtnis. In enger Zusammenarbeit mit der Familie Burri zeigt die Galerie Bildhalle in Zürich vom 24. August bis zum 21. Oktober 2017 die erste Einzelausstellung seit dem Tod des wohl bekanntesten Schweizer Fotografen 2014. Ein Gespräch mit Mirjam Cavegn, Gründerin und Galeristin der Bildhalle, über die Besonderheit von Burris Werk und eine Schwäche für Leica-Fotografen.
Frau Cavegn, was macht für Sie das Werk von René Burri aus?
René Burri hat es wie kaum ein anderer Fotograf verstanden, die Struktur mit der Unmittelbarkeit zu verbinden. Er war ein Meister der Komposition und hat zugleich den Moment, das Spontane, Lebendige – schlussendlich den Menschen – ins Zentrum gestellt. Er war ein Humanist mit der Kamera.
Wie schwer ist es, Burris umfangreichen Werk auf einige Bilder zu reduzieren?
Das ist fast unmöglich. Jedoch konzentrieren wir uns in dieser Ausstellung ausschliesslich auf signierte Prints – und von denen gibt es nicht mehr viele. Ein Grossteil seines Werks ist als signierter Print nicht mehr vorhanden. Daher haben wir versucht, mit dem verbleibenden Material eine stimmige Ausstellung zu machen.
Jetzt René Burri, im Oktober startet in Ihrer Galerie eine Ausstellung mit Bildern von René Groebli: Haben Sie eine Schwäche für Leica-Fotografen?
Ich habe eine Schwäche für tolle Reportage-Fotografen, und dass diese oft mit Leica fotografieren, ist offensichtlich. Und es wird noch mehr kommen: Thomas Hoepker ist ebenfalls Leica-Fotograf …
Inwiefern versuchen Sie, einen Schwerpunkt auf Schweizer Fotografie zu setzen?
Das ergibt sich natürlich durch mein Netzwerk und meine eigene Geschichte. Aber ich zeige durchaus auch internationale Grössen. Aber dass die wichtigsten Schweizer Fotografen von der Bildhalle ausgestellt wurden, ehrt mich sehr.
Wie entscheiden Sie, welche Ausstellung gezeigt wird?
Zunächst: persönlicher Instinkt und Affinität. Dann: Machbarkeit, Verkäuflichkeit, Wichtigkeit und Mischung mit dem restlichen Programm.
Wie schätzen Sie Zürich als Galerie-Standort ein?
Zürich ist klein im Vergleich zu London oder New York, aber es gibt eine gute Käuferschaft und viele Menschen, die sich für Fotografie interessieren.
Die Ausstellung René Burri: Kosmopolit ist noch bis zum 21. Oktober 2017 in der Bildhalle in Zürich zu sehen.
Mirjam Cavegn
Mirjam Cavegn ist Fotokunst-Fachfrau aus Passion, entwickelte lange Bildbände für einen internationalen Verlag, war als Fotoredaktorin bei Medienunternehmen tätig und betreibt heute die Bildhalle
Bildhalle
Die Bildhalle, im Jahre 2013 von Mirjam Cavegn gegründet, stellt sich bewusst der Verantwortung einer langen Schweizer Tradition gegenüber der Fotografie und ihrer Verbreitung als künstlerisches Medium und vertritt entsprechend konsequent herausragende Positionen des 20. Jahrhunderts und der zeitgenössischen Fotokunst.
http://www.bildhalle.ch/ausstellungen/laufende-ausstellung/rene-burri-kosmopolit/
René Burri
René Burri studierte an der Kunstgewerbeschule in seiner Heimatstadt Zürich, Schweiz. Von 1953 bis 1955 arbeitete er als Dokumentarfilmer und machte während des Militärdienstes seine ersten Bilder mit einer Leica. 1955 wurde er Mitglied der Fotoagentur Magnum. 1998 wurde er mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis ausgezeichnet. Burri lebte und arbeitete in Zürich und Paris, wo er 2014, im Alter von 81 Jahren, starb.
Alle Bilder © René Burri/Magnum Photos courtesy of Bildhalle
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