Die Objektivpalette, die für die Leica M zur Verfügung steht, ist mit nicht weniger als neun unterschiedlichen Brennweiten von 18 bis 135 mm sehr umfangreich. Damit werden die verschiedensten Verwendungszwecke und Bedürfnisse abgedeckt. Dem Fotografen bietet sich dadurch auch die Gelegenheit, auf unterschiedliche Art und Weise an sein Sujet heranzugehen und seine eigene Sicht der Dinge zu betonen, indem er seine ganz persönliche Ästhetik entwickelt.
Für Porträts und Landschaften bevorzugt Chris de la Bottière ein Teleobjektiv, das nach seiner Einschätzung zu wenig bekannt ist: das Leica APO-Telyt-M 135 mm f/3.4. «Es gibt natürlich Situationen, in denen sich die Verwendung eines Teleobjektivs aufdrängt. Das ist etwa der Fall, wenn man ein Sujet vergrössern möchte, aber es nicht möglich ist, sich ihm noch stärker zu nähern.» Oder wenn man das, etwa aus Gründen der Diskretion, nicht möchte. Wenn man aber die Verwendung dieses Objektivs auf diese paar wenigen Vorteile einengt, verzichtet man auf eine besonders interessante Eigenschaft von Objektiven mit langen Brennweiten. Sie ist zwar nicht auf den ersten Blick sichtbar, kann aber in bestimmten Situationen sehr wichtig sein: die perspektivische Kompression. «Die Annäherung von Vorder- und Hintergrund verleiht dem Bild eine besondere Dynamik und ermöglicht Bildkompositionen, die mit kürzeren Brennweiten undenkbar sind. Für mich ist das ein zentrales Element, vor allem dann, wenn ich ein Sujet in einen sehr engen Bezug oder sogar in eine Spannung mit seinem Umfeld setzen möchte. »
Die Wirkung einer auf diese Weise geschaffenen Perspektive kann sehr auffallend sein. Das Auftreten eines herausgeputzten Dandys in der schönen Umgebung einer üppigen und alles umfassenden Natur wirkt befremdlich und überrascht den Betrachter. Genauso wie die zarten Umrisse eines Fischers in seinem Boot – frühmorgens festgehalten für die Ewigkeit – auf einem Bergsee, der von einem zugleich dichten, dunklen und verlockenden Wald eingerahmt ist. Die Nähe und die Interaktion zwischen dem Sujet und dessen direkter Umgebung, die mit der Verwendung des Teleobjektivs erreicht werden, verleihen den Bildern ihre ganze Kraft und Spannung.
Chris de la Bottière zögert auch bei langen Wanderungen mitten in der Natur nicht, sein Leica APO-Telyt-M 135 mm f/3.4 in den Rucksack zu packen: Die bescheidenen Abmessungen und das geringe Gewicht erleichtern ihm den Entscheid. 104,7 mm lang und 58,5 mm im Durchmesser bei einem Gewicht von knapp 450 g.
Aus praktischen Überlegungen heraus ergänzt der Fotograf seine Ausrüstung zusätzlich mit zwei Hilfsmitteln, die ihm die Verwendung des auf die M10 aufgesetzten Teleobjektivs erleichtern: «Ich lege Wert darauf, die Bildkomposition und das Scharfstellen sehr präzise vorzunehmen. Ich verwende deshalb den Visoflex und sehr oft auch ein Stativ. »
Wunschlos glücklich, Chris de la Bottière? «Ich verwende dieses Objektiv unter ganz bestimmten Bedingungen, um eine ganz spezielle Wiedergabe zu erreichen. In diesem Rahmen erscheint es mir sehr interessant. Und seine hohe optische Qualität ist unbestreitbar ein grosser Vorteil. Auflösung, Kontrast und Bildschärfe überzeugen, während die Verzerrungen vernachlässigbar ausfallen, und das schon bei offener Blende. »
Grund genug, die weitläufige und wilde Umgebung, die seinen Lebensmittelpunkt umgibt, heiter zu durchstreifen und die Schätze zu entdecken, die Mutter Natur hier grosszügig verteilt hat. Selbstverständlich in Begleitung von Jett, Capone und Vidocq, seinen drei treuen Hunden.
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