Der Kleine Gelbschenkel vom Klingnauer Stausee

Zwei Ornithologinnen, welche aktuell einen Feldornithologiekurs besuchen, beobachten am Klingnauer Stausee im Aargau einen Wasserläufer mit leuchtend gelben Beinen, den sie auf Anhieb nicht bestimmen können. Ein Blick in die Bestimmungsliteratur führt die beiden zum Kleinen Gelbschenkel. Alle Merkmale passen. Doch wurde diese nordamerikanische Limikole zuvor noch nie in der Schweiz nachgewiesen, was die beiden verunsichert. Geistesgegenwärtig erstellen sie Belegfotos. Diese schicken sie dem Leiter des Feldornithologiekurses, welcher den Vogel sogleich als Kleinen Gelbschenkel bestätigen kann.

Die Neuigkeit über den seltenen Gast verbreitet sich in Windeseile. Wenig später können die ersten eiligst herbeigeeilten Beobachter diesen Erstnachweis für die Schweiz bestaunen.

Daniel Gebauer ist zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs. Nachdem er von der Anwesenheit dieser Rarität erfuhr, hat er sich sogleich auf den Weg dorthin gemacht. Dort angekommen, trifft er bereits eine Vielzahl von Beobachtern an, welche den Gelbschenkel bewundern. Mit seinem Leica-Fernrohr kann er den seltenen Vogel ein erstes Mal bestaunen.

«Schon immer habe ich davon geträumt, diese Art einmal in der Schweiz beobachten zu können!»

Doch wie zum Geier verfliegt sich ein Kleiner Gelbschenkel aus Nordamerika in die Schweiz? Solche Arten werden im Herbst nicht selten von kräftigen Weststürmen erfasst und nach Europa verfrachtet. Viele dieser verfrachteten Vogelarten überleben den strapaziösen Transatlantikflug aber nicht. Diejenigen die es aber geschafft haben, folgen ihrem natürlichen Instinkt und betreiben weiterhin Vogelzug in Nord- und Südrichtung. Dabei vergesellschaften sie sich mit ähnlichen Arten, wie z.B dem Bruchwasserläufer. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist es dem Vogel gar nicht bewusst, dass er sich auf dem «falschen» Kontinent befindet. Einzig die Tatsache, dass er keine Artgenossen antrifft, wird ihn wohl etwas skeptisch machen. Höchst unwahrscheinlich ist es aber, dass er den Weg zurück in seine Heimat finden wird. Er wird also ein einsames Leben führen müssen…

Mit einem seinem Smartphone und einem Adapter filmt er den Kleinen Gelbschenkel durchs Fernrohr. Das Leica-Fernrohr eignet sich fürs Digiscoping, wie es in der Fachsprache heisst hervorragend. Im Gegensatz zu Fotos, kann man auf Videoaufnahmen die Bewegungen und das Verhalten eines Vogels festhalten.